Ving Tsun ist ein südchinesischer Kung Fu Stil, der vor allem durch Bruce Lee in den Sechzigern in den USA bekannt wurde und dessen Ziel es ist, die eigenen Chancen zu verbessern und den Kampf so schnell wie möglich zu beenden. Dabei wird auf komplizierte Bewegungen und Schnörkel verzichtet. Die Effektivität dieses Stils liegt in seiner Einfachheit und Direktheit.

Einfachheit bedeutet hier: Angriff und Verteidigung sind eins und laufen gleichzeitig ab.

Direktheit bedeutet minimalistische Bewegungen; nicht ausholen, Punkt zu Punkt arbeiten, alles was überflüssig ist wird weggelassen. Direkt heißt aber auch sich selbst nichts vor zu machen, sich keine eigene Realität zu schaffen. Kämpfen zu lernen ist ein müßiger Weg, wie das Wort Kung Fu schon beinhaltet:

HARTE ARBEIT an sich selbst.

Im Ving Tsun ist jede Technik/Bewegung und jede Trainingsmethode entweder wissenschaftlich, weil sie auf physikalischen Gesetzen beruht, oder didaktisch durchdacht und erklärbar, weil sie für die Entwicklung bestimmter Strukturen oder Verhaltensweisen wichtig ist. Also nichts wird dem Zufall überlassen noch gibt es irgendwelche Geheimnisse.

Anders als in vielen anderen Kampfstilen werden nicht so genannte 1:1-Situationen trainiert und einstudiert, wo es zu jedem möglichen Angriff eine bestimmte Antwort gibt, sondern wir versuchen uns allgemeine Prinzipien bzw. Verhaltensweisen anzueignen, die im Ernstfall einfacher abzurufen sind und unsere Chancen verbessern können. Denn erfahrungsgemäß ist in einer ernsthaften Konfliktsituation keine Zeit zum Nachdenken, welche Technik wann einzusetzen wäre. Dabei kommt dieser Stil einem Handwerk gleich, das man für sich in jeder Lebenssituation nutzen kann, egal ob es sich um einen physischen oder psychischen Konflikt handelt.

Die Hauptwaffe ist der Gerade Schlag, der gleichzeitig Angriff, aber auf Grund seiner Struktur auch einen schützenden Faktor darstellt. Um diesen ins Ziel bringen zu können, behelfen wir uns einiger Öffnungstechniken, um die Distanz zum Gegner zu überbrücken und um eine Lücke für einen Schlag zu schaffen.

Bei unserem täglichen Training versuchen wir Schlagkraft, Timing, Schnelligkeit, Gleichgewicht, Struktur und strategische Konzepte zu entwickeln, die für einen Kampf überlebenswichtig sind. Dabei spielt es irgendwann (nach langer Praxis) keine Rolle mehr, womit man zuschlägt, ob Faust, Handfläche, Handkante, Finger, Ellenbogen usw., wenn man gelernt hat wie man mit seinem Körper Energie erzeugt.

Bei unserem Training sind wir traditionell ausgelegt, was nicht bedeutet verschlossen für die Wirklichkeit oder etwas neuem zu sein. Wie damals im alten China üblich legen wir keinen Wert auf Prüfungen oder Rangordnungen durch Gürtel usw. weil dadurch Trennungen und Unterscheidungen untereinander hervorgerufen werden, was zu Konkurrenzdenken führen kann, und das ist nicht der Sinn im Kung Fu. Es gibt hier niemanden der besser oder schlechter ist sondern nur jemanden mit mehr bzw. weniger Erfahrung, das ist alles. Das tägliche Leben stellt die Herausforderung da und nicht irgendeine Gürtelprüfung.

Vor allem muss gewährleistet sein, dass ein Anfänger mit einem fortgeschrittenen Trainingspartner trainieren kann. Anders würde die Entwicklung des einzelnen nur sehr langsam voranschreiten. Es gibt bei uns auch keinen festgelegten Übungsplan. Das Training ist individuell und es werden bei jedem Einzelnen auf seine Stärken und Schwächen eingegangen.

Trainiert wird in Kleingruppen und es gibt keine Kleiderordnung. Interessenten mit oder ohne Erfahrung sind jederzeit willkommen.